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Quartierzentrum Andreashaus

Riehener Zeitung, Nr. 25, 2026

Per 1. November 2026 über- nimmt ein neu gegründeter Trägerverein als Mieter den Betrieb des Andreashauses, das im Besitz der Evangelisch- reformierten Kantonalkirche bleibt.

Rolf Spriessler

Das Andreashaus sei ein Ort, an dem es nicht darum gehe, neues Leben zu erwecken, sondern vielmehr darum, bereits Bestehendes zu erhalten. Das sagte Andreas Courvoisier an der Informationsversammlung zur Zukunft des Andreashauses, die am Donnerstag vergangener Woche im Anschluss an die Andreasvesper anstelle des gewohnten «Abendimpulses» stattfand und auf ein sehr grosses Echo stiess – über fünfzig Interessierte hatten sich im Saal eingefunden.

Andreas Courvoisier war vom Kirchenrat – also von der Evangelisch- reformierten Kantonalkirche – kontaktiert worden, um sich Gedanken zur Zukunft des Andreashauses zu machen. Aufgrund der abnehmenden Mitgliederzahlen und der schwindenden finanziellen Mittel habe sich die Kirche gezwungen gesehen, inner- halb der Kirchgemeinde Riehen-Bettingen einen ihrer bisher vier Standorte aufzugeben, und da sei schnell klar gewesen, dass sie sich auf die Dorfkirche, die Kornfeldkirche und die Kirche Bettingen fokussieren würde. Er habe aber bald gespürt, dass die Kirche den Standort Andreashaus nicht einfach verkaufen wolle, sondern dass ihr daran gelegen sei, dass es hier auch ohne kirchliche Führung in irgendeiner Form weitergehen könne.

Stephan Wenk, Co-Präsident des Kirchenvorstands Riehen-Bettingen, hatte zu Beginn erzählt, dass die Kantonalkirche schon vor mehr als zwanzig Jahren im Rahmen des Kirchenkonzepts «Perspektive 2015» auf das Andreashaus habe verzichten wollen, und doch sei es weitergegangen, weil man sich vor Ort zusammengerauft habe. Er hoffe sehr, dass das auch in Zukunft noch so sein werde.

Von Spurgruppe zum Verein

Um eine Zukunftsbasis zu finden, habe man zunächst einmal eine Spurgruppe gebildet, so Courvoisier, in welcher Beat Bubendorf, Stefanie Werro, Anuschka Bader, Ursula Skrobucha, Paul Spring und Greg Bohny mitgewirkt hätten. Und als klar geworden sei, dass es zur Weiterführung des Andreashauses eine private Trägerschaft brauche, weil keine bestehende Institution in der Lage sei, diese Funktion zu übernehmen, sei es zur Gründung eines Trägervereins gekommen. Unter dieser Voraussetzung habe sich die Kantonalkirche dann auch bereiterklärt, Besitzerin des Andreashauses zu bleiben und dem Trägerverein das Haus gegen eine moderate Miete zu überlassen. Dafür könne sie das Andreashaus auch künftig für gewisse eigene Aktivitäten nutzen. Die genauen Modalitäten seien noch zu klären, so Matthias Gysel.

Übernahme Anfang November

Matthias Gysel ist der Präsident des Trägervereins Andreashaus, der am 13. April 2026 offiziell gegründet worden ist und den Betrieb des Andre- ashauses per 1. November 2026 über- nehmen wird. Gysel war früher beim Kanton angestellt und im Sozialwesen und in der Betriebsorganisation tätig. Vizepräsident ist Joris Fricker, der seine Stärken vor allem in der Kommunikation sieht und sich als Einwohnerrat in der Politik engagiert. Weitere Vorstandsmitglieder sind Camelia Winkler, Präsidentin des Ukraine Klub Riehen, der im alten Pfarrhaus gleich hinter dem Andreashaus domiziliert ist, Gioia Hermann, die zusammen mit einer Kollegin im Andreas- haus die Spielgruppe «Muggeli» führt, und der frühere Andreashaus-Sigrist

Paul Spring, der sich als einziges Vorstandsmitglied ferienbedingt entschuldigen lassen musste.

Für die ersten drei bis fünf Jahre sei der Betrieb des Andreashauses durch den neuen Trägerverein finanziell gut abgesichert, führte Gysel aus. Der Trägerverein könne auf die Andreasstiftung zurückgreifen, die aus einer Erb- schaft heraus entstanden und bei der Kirche angesiedelt sei und die noch über ein gewisses Kapital verfüge. Noch nicht ganz in trockenen Tüchern sei eine vorübergehende Nutzung von Räumlichkeiten des Andreashauses durch das Team des Freizeitzentrums Landauer, das voraussichtlich zwischen 2030 und 2031 grundlegend umgebaut werden soll. Eine solche Zwischenlösung würde den Andreashausbetrieb für zwei weitere Jahre finanziell absichern. Bis dann müsse eine längerfristige finanzielle Basis vorhanden sein.

Gastgeberin und Mietersuche

«Es ist klar, dass wir die bisherigen Mieter nicht wesentlich höher belasten können als bisher», erläuterte Mat- thias Gysel. Es gehe vielmehr darum, neue Mieter zu finden, die das Andre- ashaus für einzelne Aktivitäten, Ver- anstaltungen, vielleicht auch private Feste nutzen möchten, und auch Ver- anstaltungen zu generieren, für die ein Eintritt verlangt werden könne. Der Förderverein wirbt auch Mitglieder und wird aktiv Fundraising betreiben, um seine Aktivitäten finanzieren zu können. Dazu gehört die Anstellung einer «Gastgeberin» mit einem 60-Prozent-Pensum – man habe die Stelle ausgeschrieben, 60 Bewerbungen erhalten, 10 Gespräche geführt und nun seien zwei Frauen in der engsten Wahl. Idee sei, dass die Gastgeberin sich um die Mieter und Besucher kümmert und weitere Aktivitäten generiert. Die klassische Sigristenstelle wird es nicht mehr geben. Dem Vorstand schwebt der Aufbau einer vereinseigenen Unterhaltsgruppe vor, die auf weitgehend ehrenamtlicher Basis und mit gewissen Spesenentschädigungen arbeiten soll. Weiter gepflegt werden soll der Donnerstag mit der Vesper, dem kostengünstigen und selbst zubereiteten Abendessen, gefolgt von einem thematischen Schwerpunkt. In diesem Zusammenhang dankte Gysel dem Quartierverein Niederholz und insbesondere dessen Präsidentin Anuschka Bader. Ihr sei es zu verdanken, dass die Aktivitäten im Andreashaus in der schwierigen Zeit nach der Pensionierung von Pfarrer Andreas Klaiber weitergegangen seien.

In der abschliessenden Fragerunde meldete sich Paula Glanzmann zu Wort, die nach der Eröffnung die erste Sigristin im Andreashaus war. Zusammen mit dem damaligen Pfarrer Huldrych Blanke habe sie vor 50 Jahren die Andreasvesper ins Leben gerufen und fühle sich noch heute als «Mami» dieses Anlasses. Sie freue sich sehr, dass das Andreashaus weiterhin eine Zukunft habe.

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